JENSEITS VON KUNST
Hrsg. Neue Galerie Graz/Ludwig Museum Budapest

Hrsg. Peter Weibel.
Neue Galerie Graz / Ludwigmuseum Budapest 1996. Passagenverlag
ISBN 3-85165-254-1

Zu einer Ausstellung im Ludwig Museum Budapest und der Neuen Galerie am Landesmuseum Joanneum in Graz 1996 hat Peter Weibel (Hg.) ein Schau- und Lesebuch zur gemeinsamen Kultur- und Geistesgeschichte dieser beiden Länder zusammengestellt. Beide Völker haben in den Formalkünsten und Formalwissenschaften Beiträge von Weltgeltung hervorgebracht. In etwa dreizehn Kapiteln (Wahrnehmungstheorie und Kinetik, Symmetrie und Symmetriebrechung, Visuelle Kommunikation, Kunstgeschichte, Dekonstruktion und Architektur, Psychoanalyse, Wiener Kreis und Rationalismus, Informatik, Kybernetik, Mathematik, Wissenschaftstheorie, Konstruktivismus und Kognitionswissenschaften, Spieltheorie, Evolutionstheorie, Quantentheorie) werden die Leistungen von ca. 80 österreichischen und ungarischen KünstlerInnen und ebenso vielen WissenschaftlerInnen in Originalbeiträgen, Kurzessays oder thematischen Darstellungen präsentiert.
Ein überraschendes Panorama unbekannter Zusammenhänge führt nicht nur in experimentelle und interdisziplinäre Methoden der Welterklärung und Kunstproduktion, in neue Disziplinen und Theorien ein, die weltweit Geltung haben, sondern führt auch die relevantesten Ergebnisse der aktuellen Naturwissenschaften, Erkenntnistheorie und des künstlerischen Diskurses vor.

Beitrag zu Visuelle Kommunikation, Seite 723
Melitta Moschik – Binary Tree

Binäre Bäume sind elementare Datenstrukturen, die im Bereich der Informationsverarbeitung und Datenanalyse zur Darstellung komplexer Zusammenhänge und Entscheidungsstrategien Verwendung finden. Das Verzweigungsmuster entspricht dem Wachstumsmodell biologischer Bäume: Von der Wurzel aus verzweigen sich die Pfade zu den sich ausschließenden Ergebnissen (Blättern). Die nach binärer Logik verknüpften Komponenten geben Auskunft über die hierarchische Struktur und die Intensität der Konnexe. Durch die symbolgrafische Darstellung dieser Baumstruktur wird die Abstraktheit der mathematischen Systematik aufgelöst. Die Relationen der Symbole zueinander ergeben signifikante Verlaufsformen, die den Wahrnehmungsprozess, die Mustererkennung determinieren. Die Erscheinungsweise der Bildstatistik setzt spezifische Datensätze (Schrift und Symbolteil) voraus. Durch die Reduktion des Datensatzes auf den symbolgrafischen Teil wird die effektive Lesbarkeit der Statistik kontaminiert. Ohne Nominierung der Bezugsgrößen ist die Zuordnung von Darstellung und repräsentativem Sachverhalt nicht realisierbar. Die Piktogramme sind verspiegelt, so dass sich Rezipient und Umgebung in der Bildstatistik reflektieren. Das Bild der Wirklichkeit wird in das mathematische eingespiegelt. Durch die rezeptive Relation von Bild und Betrachtung wird das visuelle Erlebnis eine Funktion der Betrachteraktivität.