Christine Grundnig
Melitta Moschik USER INTERFACE

Melitta Moschik hat Mathematik und Informatik studiert. Innerhalb ihres bisherigen künstlerischen Œuvres beschäftigt sie sich mit Informationsstrukturen im digitalen Bereich.
Die Künstlerin arbeitet mit den Mitteln der Mathematik, der Statistik und der elektronischen Bildverarbeitung. Die Werke sind mit dem Computer konstruiert und in Glas-Metall-Arbeiten realisiert. Die Fertigung wird delegiert, die künstlerische Handschrift bleibt ausgeschlossen, das Werk unterliegt der Ästhetik der Mathematik. Die verwendeten Materialien (Chrom-Nickelstahl und Glas), die einfache formale Gestaltung und die präzise Herstellung (die Bearbeitung durch Sandstrahl-, Verspiegelungs- und Siebdrucktechnik) sind Mittel der High-Tech-Industrie.
Die aktuelle Arbeit von Melitta Moschik gehört der Werkgruppe “User Interface” an, die die Künstlerin in diesem Jahr entwickelt hat. Die Auseinandersetzung gilt der Erfassung und Reflexion der Wirklichkeit anhand gesammelter Realdaten und statistischer Untersuchungen in tabellarischen Rastern und der Selektion, Strukturierung und Systematisierung der Daten.
Ausgangspunkt für Moschiks künstlerisches Werk sind Bildschirmansichten der Datenverwaltungssysteme. Eine möglichst logische Strukturierung der Benutzeroberfläche am Bildschirm ist die formale Bedingung für die Arbeit mit den Daten: das Lesen, Suchen, Auswählen usw. An der Oberfläche, dem Ort an dem die Information in sinnlich wahrnehmbare Form umgewandelt wird, entsteht eine ganz spezifische Konfiguration. Moschik scheidet die Information aus der Maske der Benutzeroberfläche aus, so daß das lineare Grundgerüst, die formale Struktur für sich alleine steht und derart informationsentleer, entfunktionalisiert in den Bereich des Artifiziellen transferiert und ästhetischen Kriterien unterworfen wird.
In der Heft ist das künstlerische Objekt in das Inkassohäuschen des Ausstellungsgebäudes integriert, dem Hort der Information, Kommunikation und der statistischen Erfassung. Die Funktion des Inkassohäuschens entspricht jener des Datenverwaltungssystems. Durch die teilweise Verspiegelung des Objektes werden die Umgebung und die Betrachter in die Benutzeroberfläche mit einbezogen. Die “Oberfläche” verknüpft als Schnittstelle erfaßte Daten und umgebende Realität.