Nora Leitgeb
Melitta Moschik INTERFACES

 

Nora Leitgeb, Juni 2023
Textbeitrag im Katalog “INTERFACES”, SCHAU-KRAFTWERK FORSTSEE 2023

Melitta Moschik arbeitet an der Schnittstelle zwischen Kunst, Wissenschaft und Technik. In ihren Installationen, Computergrafiken, Plastiken und Reliefs aus Acryl- und Spiegelglas, Stahl oder Aluminium, mit starkem Fokus auf Neue Medien und Digitalisierung, übersetzt sie vielfach nicht nur die komplexe Programmiersprache, sondern auch das Design von Benutzeroberflächen in die Sprache der Kunst. Ihre oftmals computergenerierten, industriell gefertigten Werke sind geprägt von einer zeichenhaften, symbolhaften Ausdrucksform und einer technoiden Ästhetik.

In ihrer ortsspezifischen Installation INTERFACES thematisiert Melitta Moschik im Schau-Kraftwerk Forstsee den gegenwärtigen, nahezu selbstverständlichen, wie universellen Gebrauch von Benutzeroberflächen. Das Interface, die Oberfläche bzw. Schnittstelle, markiert die Stelle, an welcher der Mensch mit der Maschine interagieren kann, ohne direkt die Programmiersprache der Maschine zu sprechen. Ein effektives User Interface garantiert ein reibungsloses, angenehmes Erlebnis für den User sowohl bei der Nutzung als auch vom Aussehen her. Das Design von digitalen Benutzeroberflächen, insbesondere von Buttons, Icons, Navigationsmenüs oder Bedienoberflächen in Form von abstrahierten Piktogrammen ist ganz wesentlich, soll doch die Gestaltung einfach und intuitiv sein, damit die Benutzer mit minimalem Aufwand das gewünschte Ergebnis erzielen können. Diese Benutzererfahrung wird User Experience genannt. Neben grafischen Benutzeroberflächen gibt es sprachgesteuerte wie Apples Siri oder Amazons Alexa oder gestengesteuerte in Virtual-Reality-Spielen.

Melitta Moschik transferiert ausgewählte Icons und Buttons, die wir alle von unseren PCs und Smart-Geräten kennen, übergroß auf transluzentes, blaues und grünes Acrylglas und positioniert diese an unterschiedlichen Stellen im Innenraum des Schau-Kraftwerks. Die großformatigen Zeichen unseres technologisierten, digitalen Lebens sind wie selbstverständlich zu lesen. Wir alle sind mit diesen vertraut, die über Kultur- und Sprachgrenzen hinweg einer „Universalsprache“ gleich verstanden werden.

Piktogramme werden auf eine effektive und effiziente Weise eingesetzt, um Menschen zu informieren, zu koordinieren und zu leiten. Sie müssen lesbar, simpel und von unnötigen Details befreit sein und Botschaften auf einen Blick kommunizieren können. Für die Installation im Schau-Kraftwerk wählt Melitta Moschik eben jene Symbole, die auf den Ort des Kraftwerks selbst, am Ufer des Wörthersees verweisen: „Sonne“, „Wasser“ und „Wolken“ stellen Bezüge zum Standort des Kraftwerks her. Auf den ursprünglichen Zweck des Kraftwerks, ein Ort der Energiegewinnung, spielen hingegen andere Symbole an: Das „Zahnrad“ diente seit jeher als Symbol für Technik, Fortschritt und Produktivität, nun gelangt man damit am eigenen Smart-Gerät zu den „Einstellungen“. „Ausschalten und Neustarten“ funktioniert nur mit zugeführter Energie, ob diese aus Wasserkraft gewonnen wird oder anderen Ursprungs hat, tangiert uns User nur mehr peripher. Das „World Wide Web“ verbindet eine globalisierte Welt im virtuellen Raum, über Interfaces wie dem „WLAN“ kann Zutritt dazu gefunden werden.

Melitta Moschik rekontextualisiert in ihrer Installation gängige, funktionale Bildzeichen aus dem digitalen Raum in künstlerische, reale Bildwirklichkeiten in einer technoiden, nahezu minimalen Ästhetik und generiert somit trotz der standardisierten Inhalte wiederum einzigartige Unikate.

In Form und Hängung – rechteckige und quadratische Bilder in Alurahmen – lassen sich vielleicht noch Verweise auf die klassische Malerei erkennen. Doch inhaltlich referenziert Melitta Moschik in ihrem Werk schon längst auf den Einfluss der Neuen Medien und der Digitalisierung sämtlicher Lebensbereiche.